Kaninchen

Haltung

Wie sollte der Kaninchenkäfig aussehen?

Viele Kaninchen werden im Freien in einem Stall mit Auslauf gehalten. Den recht wärmeempfindlichen Kaninchen ist es im Haus fast schon zu warm und sie fühlen sich im Freien wohler. Es ist aber auch möglich sie im Haus zu halten, wenn man ihre Bedürfnisse beachtet. Kaninchen können liebe Haustiere sein. Aber sie dürfen nie unbeaufsichtigt im Haus freilaufen. Sie kauen sehr gerne, auch Stromkabel und Möbel und es besteht eine hohe Verletzungsgefahr. Es ist deshalb sinnvoll das Kaninchen nur unter Aufsicht im Hause freilaufen zu lassen. Wie Katzen kann man auch Kaninchen daran gewöhnen eine Katzentoilette zu benutzen. In Abwesenheit des Besitzers sollten die Kaninchen in einem geräumigen Kaninchenkäfig sein, der mindestens 3 "Hoppler" von einem Ende zum anderen ermöglicht. Die Unterlage sollte weich sein um die Pfoten nicht zu verletzen ( also kein Drahtgitter) und Urin gut aufsaugen. Holzspäne werden oft verwendet, können aber problematisch sein, weil sie mit Holzschutzmitteln und anderen Chemikalien behandelt sein können, die für das Kaninchen ungesund sind. Gutes Stroh oder Heu ist die beste Unterlage und solle 2 – 3 mal die Wochen gewechselt werden. (Im Zweifel in "Kaninchennasenhöhe" proberiechen.) Beim Zersetzen des Urins anfallender Ammoniak kann Augen und Atemwege schädigen und ist eine häufige Ursachen von Atemwegserkrankungen. Ein kleines Häuschen ermöglicht es dem Kaninchen sich zurückzuziehen und sich sicher zu fühlen.

 

Wie sollte der Auslauf gestaltet werden?

Regelmäßiger Auslauf ist für das Wohlbefinden des Kaninchens unbedingt notwendig. Unter Aufsicht im Haus oder besser noch in einen geräumigen Auslauf im Freien kann sich das Kaninchen artgerecht bewegen. Da besonders weibliche Kaninchen sehr territorial sind, sollte der Auslauf möglichst immer am selben Platz sein. Um dem Kaninchen Zugang zu frischen Gras zu ermöglichen, kann der Auslauf schrittweise verschoben werden. Plötzliche Ortswechsel sind zu vermeiden. Kaninchen sind sehr hitzeschlagempfindlich deshalb sollte immer ein Teil des Auslaufes im Schatten sein. Auch hier gibt ein kleines Kaninchenhäuschen dem Kaninchen Sicherheit und Schutz. Besonders an warmen Tagen Wasser nicht vergessen.

 

Was muß ich noch beachten?

Frisches Wasser sollte immer zugänglich sein. In der Natur leckt das Kaninchen den morgendlichen Tau vom Gras. Deshalb trinkt es lieber aus einer Nippelflasche als aus einer Schale. Die Flasche muß aber täglich gereinigt werden, da abgestandenes und veralgtes Wasser vom Kaninchen nur ungern genommen wird und es dann zuwenig trinkt.

 

Wichtig!

Kaninchen können Wärme nur schlecht abgeben, besonders die kurzohrigen Rassen sind in dieser Hinsicht sehr empfindlich. Temperaturen über 25 Grad können schon kritisch sein. Das heißt die Umgebungstemperatur darf nicht höher sein, und der Aufenthaltsort des Kaninchens sollte immer gut belüftet sein.

Ernährung

Was fressen Kaninchen?

Gras und gutes Heu sind das beste Kaninchenfutter. Gras enthält den für Kaninchen optimalen Rohfasergehalt, und nützt die Zähne beim Kauen ausreichend ab. Pelletiertes Fertigfutter kann als Ergänzung dienen, sollte aber nur einen geringen Teil der Ration stellen (1/4 Tasse pro 2,5 kg Körpergewicht). Es wird einmal am Tag gefüttert. Mischfutter (Kaninchenmüsli) ist weniger geeignet, weil die Kaninchen nicht alle Komponenten gleichermaßen fressen. Im ersten halben Lebensjahr dürfen Kaninchen die Pellets mehrmals täglich bekommen, da sie noch wachsen.

Alle Futtermittel, die hochverdauliche Kohlenhydrate enthalten, sind für Kaninchen ungeeignet und können durch Verschiebung der Darmflora zu schweren Verdauungsstörungen führen. Das gilt auch für Brot, Getreidemischungen und ähnliches. Süßigkeiten können neben Verdauungsstörungen auch Karies auslösen. Plötzliche Futterwechsel werden vom Kaninchen schlecht vertragen.

Abwechslung in den Speiseplan bringen Obst und Gemüse aller Art.

 

Wie oft sollte ich mein Kaninchen füttern?

Kaninchen sollten täglich gefüttert werden, Gras oder Heu sollte zu jeder Zeit erreichbar sein.

 

Muß ich meinem Kaninchen Vitamine geben?

Nein, Kaninchen benötigen keine zusätzlichen Vitamine. Die gesunde Darmflora des Kaninchens ist in der Lage alle benötigten Vitamine selbst herzustellen. Die Kaninchen benötigen für ihre ständig nachwachsenden Zähne relativ viel Kalzium, das aber in gutem Gras oder Heu ausreichend vorhanden ist. Bei unausgewogener Ernährung können hier Probleme auftreten.

 

Darf ich meinem Kaninchen Leckereinen geben?

Ja, am besten frisches Obst, Gemüse oder Kräuter. Im Zweifel besprechen Sie zuerst mit Ihrem Tierarzt welche Leckerbissen er Ihnen empfiehlt. Schwere Probleme treten auf, wenn das Kaninchen süße, kohlehydratreiche Leckereien bekommt, da sein Verdauungstrakt nicht für derart kalorienreiches Futter geschaffen ist. Früchte oder Gemüse können täglich angeboten werden. Aber sie sollten als Zusatz und Leckerbissen verstanden werden und dürfen nicht den Großteil der Nahrung stellen. Deshalb sollte ihr Anteil 20 % nicht überschreiten; dabei sollte Gemüse den weitaus größten Anteil stellen; reinigen Sie es vor dem Füttern gründlich. Abwechslung macht das Fressen interessanter. Bieten Sie kleine Mengen verschiedener Gemüse und Obstsorten an. Stark gedüngter Salat kann infolge seines hohen Nitratgehaltes Probleme verursachen, hier also Vorsicht. Salat aus biologischem Anbau ist dagegen gut geeignet.

 

Wie steht es mit dem Wasser?

Frisches Wasser sollte jederzeit zur Verfügung stehen. Falls Sie Ihrem Kaninchen das Wasser in einem Napf anbiete, sollten Sie sich vergewissern, daß das Kaninchen das Wasser nicht in seinem Käfig ausschütten kann. Tropfflaschen sollten häufig mit einer Bürste gereinigt werden, da sie, für uns unsichtbar, schnell veralgen und das Wasser den Kaninchen dann nicht mehr schmeckt.

Zahnprobleme

Wie entstehen Zahnerkrankungen ?

Um zu wissen, wie Zahnerkrankungen entstehen muß man sich die Herkunft des Kaninchens vor Augen führen. Das Wildkaninchen lebt ausschließlich von Gras und Kräutern, die es über den ganzen Tag hinweg sucht und frißt. Um diese rohfaserreiche, wenig gehaltvollen Nahrung verarbeiten zu können, benötigt das Kaninchen einen effektiven Kauapparat. Die Zähne nutzen sich ständig ab und wachsen nach. Dabei verbraucht das Kaninchen viel Kalzium, das aber im Gras in ausreichender Menge vorhanden ist.

Unser Hauskaninchen haben immer noch das selbe Gebiß, werden aber in den meisten Fällen anders ernährt als Wildkaninchen. Sie fressen gehaltvolles kohlehydratreiches Kraftfutter, weiches Obst und Gemüse und oft nur wenig Gras, Heu oder Stroh. Der hohe Kalziumbedarf wird dabei nicht gedeckt.

Die Zähne wachsen aber trotzdem ständig nach. Dadurch ergeben sich zunächst Fehlstellungen des Gebisses. Die Zahnwurzeln verschieben sich in den Kieferknochen, die durch den Kalziummangel keinen festen Halt bieten. Die Zähne reiben sich in einem anderen als dem natürlichen Winkel ab, es entstehen Haken. Diese Haken können messerscharf sein und Backen und Zunge schwer verletzen. Durch die Fehlstellung reiben auch die Schneidezähne nicht mehr gegeneinander und werden zu lang. Das Kaninchen kann nicht mehr richtig kauen. Dies führt zu Verdauungsproblemen und Durchfall. Wegen der Schmerzen im Maul ist die Fellpflege eingeschränkt. Das Fell wirkt ruppig. Zunächst unmerklich verliert das Kaninchen Gewicht und wird anfällig für andere Erkrankungen z.B. Kokzidiose.

 

Wie entsteht diese Fehlernährung ?

Bietet man dem Kaninchen verschiedenes Futter zur freien Auswahl an, wird es nur das fressen, was ihm besonders gut schmeckt (Kinder essen auch lieber Schokolade als Möhren, obwohl die gesünder wären). Dem Kaninchen schmecken die kohlehydratreichen, süßen Bestandteile am besten. Rohfaser und Mineralstoffe sind meist in den weniger schmackhaften Futterkomponenten und werden deshalb nicht aufgenommen. Nachdem das Kaninchen sich dann mit dem Kraftfutter und den Leckerlis sattgefressen hat, wird es dann zuwenig Gras und Heu aufnehmen um die Zähne ausreichend abzunutzen.

 

Wie füttere ich mein Kaninchen um Zahnprobleme zu vermeiden ?

Gras und Kräuter ( Möhrengrün, Fenchel, etc.) und Heu sollten jederzeit zur Verfügung stehen. Einmal täglich kann dazu eine kleine Menge Kraftfutter, am besten in Pelletform gegeben werden. Man sollte nur soviel geben, wie das Kaninchen in 15 – 20 Minuten auch frißt. Wachsende Kaninchen, säugende und tragende brauchen 2 mal täglich Kraftfutter um den erhöhten Bedarf zu decken. Kohlehydratreiche Kost (trockenes Brot, Getreide) sollte unbedingt vermieden werden.

 

Woran erkenne ich, daß mein Kaninchen Zahnprobleme hat ?

Die Schneidezähne können leicht kontrolliert werden. Sie sollten eine weiße, glänzende Oberfläche haben, aufeinanderpassen und dürfen nicht so lang sein, daß sie den Maulschluß verhindern. Probleme mit den Backenzähnen lassen sich nicht so leicht erkennen. Indirekte Anzeichen für Zahnhaken sind ruppiges Fell, weicher Kot oder sogar Durchfall und schleichender Gewichtsverlust. Kaninchen mit Zahnproblemen sind bei der Nahrungsaufnahme wählerisch und bevorzugen weiches Futter, das sie nicht kauen müssen. Schwellungen entlang der Kieferknochen oder tränende Augen können ebenfalls ein Hinweis auf Zahnprobleme sein.

 

Wie werden Zahnprobleme behandelt ?

Zu lange Schneidezähne müssen gekürzt werden. Die geht am schnellsten mit einer Zange. Dabei können die Zähne aber splittern. Besser ist es die Zähne mit einem Zahnartzbohrer zu kürzen. In schlimmen Fällen kann es auch notwendig sein, die Schneidezähne zu ziehen, womit das Problem für immer gelöst ist.

Zu Behandlung der Backenzähne ist immer eine Narkose notwendig. Die scharfen Kanten und Haken werden mit einem Zahnarztbohrer geglättet und die Zahnoberfläche wird in einen möglichst normalen Zustand gebracht. Häufig sind die Zähne schon soweit fehlgestellt, daß sie auch nach der Behandlung nicht mehr normal abgerieben werden und neue Zahnhaken entstehen. Um Kaninchen mit solchen Zähnen am Leben zu erhalten ist oft eine regelmäßige Zahnbehandlung in Narkose nötig. Haben sich schon Abszesse im Kieferknochen gebildet sind diese nur schwer oder gar nicht zu behandeln und führen meist zum Tode des Kaninchens.

Deshalb ist Vorbeugen, d.h. artgerechte Ernährung und regelmäßige Kontrolle die beste Behandlung.

Befall mit Fliegenmaden

Was ist das ?

Während des Sommers können Hauskaninchen von Fliegenmaden befallen werden. Gesunde Kaninchen werden davon in der Regel nicht betroffen. Drei Hauptprobleme führen zu dieser Erkrankung. Entweder eine Wunde, in welche die Fliegen ihre Eier legen können, aus denen sich dann die Larven entwickeln. Häufiger ist ein mit Kot und Urin verschmutztes Hinterteil befallen. Besonders fette Kaninchen können sich dort nicht sauber halten. Für die Fliegen ist dies ein idealer Ort um Eier abzulegen. Sind die Larven einmal geschlüpft und ist das Kaninchen nicht in der Lage sich an den betroffenen Stellen zu putzen, können sie innerhalb kurzer Zeit großen Schaden anrichten, weil sie sich auch durch Körpergewebe durchfressen. Eine feuchte Einstreu ist die ideale Umgebung für die Entwicklung der Fliegenmaden.

 

Wie verhindere ich Madenbefall?

Die Einstreu sollte stets sauber und trocken sein. Die Ernährung spielt eine wichtige Rolle. Sie sollte rohfaserreich (Gras und Heu ) sein,um dünnen, weichen Kot, der dann verklebt, zu vermeiden.

Erkrankungen der Zähne bereiten nicht nur Schmerzen und führen zu Verdauungsstörungen (Durchfall), sie behindern auch die notwendige Körperpflege. Deshalb ist eine regelmäßige Zahnkontrolle wichtig.

Fettsucht und Rückenprobleme können die Körperpflege ebenfalls behindern und zu Madenbefall führen.

Durchfall, gleich aus welchem Grunde ist eine der Hauptursachen. Das Hinterteil des Kaninchens ist verklebt und lockt die Fliegen massenweise an. Durchfall beim Kaninchen sollte nicht nur aus diesem Grunde stets als Notfall betrachtet werden.

 

Behandlung:

Unter Sedation oder sogar in Narkose werden die Fliegenmaden entfernt und das gesamte Wundgebiet gesäubert. In der Regel benötigt das Kaninchen anschließend Antibiotica. In schweren Fällen sind intravenöse Infusionen und entzündungshemmende Medikamente notwendig. Meist muß das Kaninchen in solch schlimmen Fällen stationär beim Tierarzt behandelt werden und im Wärmekäfig intesiv gepflegt werden.

Wenn sehr viel Gewebe durch die Maden zerstört wurde, kann es notwendig werden das tote Gewebe chirurgisch zu entfernen. Eine solche Behandlung ist langwierig, risikoreich und meist teuer; und nach Abheilen der Wunden muß noch das ursprüngliche Problem, das zum Madenbefall geführt hat angegangen werden.

 

Schlußfolgerung: Vorbeugen ist die beste Therapie

Saubere trockene Einstreu, artgerechte Ernährung zur Vermeidung von Durchfall und im regelmäßige (tierärztliche) Kontrolle des Kaninchens auf Zahn- und andere Probleme stellen den besten Schutz vor Madenbefall dar.

Myxomatose

Achtung Kaninchenhalter

Im letzten Jahr grassierte hier im Landkreis die Myxomatose, die für Kaninchen meist tödlich ist. Die Krankheit wird durch stechende Insekten übertragen.


Vorbeugung:

- Fliegengitter vor den Käfigen
- Impfung

Zweimalige Impfung im Abstand von 3 Wochen schützt Kaninchen ca 6 Monate lang vor einer Infektion.
Latent infizierte oder bereits erkrankte Tiere können durch die Impfung nicht geschützt werden.